| Peking ist in seiner Ausdehnung etwa so groß wie Belgien. Vor 10 Jahren mehr oder weniger abgerissen und neu erstellt, faktisch ist es eine endlose mit Hochhäusern bebaute Stadt, in der es kein wirkliches Leben zu geben scheint, in der es um Wirtschaft und Handel geht, nicht mehr um Geschichte, Politik, Gesellschaft oder Recht. Für viele aus eher westlichen Ländern erscheint diese Metropole als “hip”, mir erschien es, als würde man hier aus der Retorte andere Metropolen dieser Welt kopieren oder überbieten, einfach nur größer sein wollen, höher, reicher, schneller, ohne wirkliches Eigenleben. Heute produziert China mehr Autos als das klassische Autoland Deutschland. Afrika wird von China gekauft. Dort ist das Reich der Mitte noch die viertgrößte Wirtschaftsmacht, was sich bald ändert. Die Qualität der Bauten ist erschütternd, ähnlich wie die der Autos, doch Afrika kauft billig, China ist billig. Nachhaltigkeit wird im Riesenreich nicht produziert und in Afrika eben auch nicht nachgefragt - in beiden Fällen noch nie in den letzten Jahrzehnten. In Guinea werden Straßen von chinesischen Geldern aus deutscher Entwicklungshilfe finanziert. Die nichtvorhandenen Seitenbefestigungen lassen das zu einem nimmer endenden Auftrag mutieren. China selbst erhält noch jährlich deutsche Entwicklungshilfe oder aber auch von vielen Firmen Schulen, wie man deutsche Ware und Technik kopieren kann, nicht wie die Japaner verbessern und entwickeln kann, sondern nur kopieren und billig produzieren und verbreiten. Da bleibt dann schon mal die Qualität von Spielzeug für Kinder auf der Strecke, Vergiftungsgefahr. Da fallen Kleider beim bloßen Tragen auseinander und die äußerlich nett anzusehenden Bauten gehen mit der Garantie. Das alles ist jedem eigentlich mehr oder weniger bekannt, den Politikern in Brüssel oder den Hauptstädten der EU, ohne deren Hilfe China nicht dort wäre, wo es heute ist. Das alles ist uns Lesern aus den Tageszeitungen bekannt, aus den Fernsehnachrichten oder den Müttern aus den Spielzeugabteilungen der Kaufhäuser. Aber es scheint offenbar noch nicht durchgedrungen zu sein zu den Museumsdirektoren, die, häufig im Turm lebend, in dem des isolierten Wissens und der Bildung, fast schon etwas abgehoben herrschaftlich und sich leider und gerade hier in Hamburg häufig der Vergangenheit mehr verpflichtet fühlen als dem Erhalt des Alten und dem inhaltlichen Transport dessen mit den Mitteln der Gegenwart in die Zukunft. Und die Mittel, so konnte man im Museum für Völkerkunde ja nun erfahren, sind Massenproduktion - das hat es schon gegeben - und Kopien. Und wirklich neu ist diese Erkenntnis auch nicht, eben nur etwas peinlich und realitätsfremd. |
Artikel zu aktuelle Themen der Zeit von Reiseberichten über gesellschaftspolitische Themen bis hin zu Kunst und Kultur.
Mittwoch, 3. August 2011
Nichts original
Wirtschaftswachstum in China
| Vor einigen Tagen las ich einen Bericht, der sich mit der Frage beschäftigte, ob die Demokratie als Gesellschaftsform Aussichten auf Zukunft hat oder es eher die totalitären Systeme sind, die eigentlich im Kommen sind zuletzt den Erfolg davon tragen. Es war ganz interessant, dass z.B. China als eines dieser erfolgreichen totalitären Systeme genannt und dargestellt wurde, ein Land, in dem es keine Rechtssicherheit gibt, ein Land, in dem Tausende von Menschen, unvorstellbare Massen, gar jährlich hingerichtet werden, teilweise wegen Delikten, die in Europa mit Geld- und kleineren Gefängnisstrafen geahndet werden würden. Als Erfolg dieses Systems wurde die Wirtschaftsproduktion gezeigt und zudem das jährliche Wachstum. Die teilweise unmenschlichen Bedingungen, unter denen die dortigen Menschen arbeiten und leben müssen, so wird suggeriert, waren vorher noch viel schlimmer, der Erfolg des Systems zuletzt also auch für die Einzelnen greifbar. Im Iran verschwinden Menschen, werden gefoltert, hingerichtet. Homosexuelle müssen, um überleben zu können, sich einer Operation unterziehen, einer Geschlechtsumwandlung, als hätte die unfehlbare Schöpfung einen Fehler gemacht, muss korrigiert werden. Dennoch steigt die Wirtschaftsproduktion, ein blühendes System? In dem reichen Saudi-Arabien, das muss man sich immer wieder vor Augen halten, ist die Steinigung von Frauen rechtskonform, ist die drakonische Rechtssprechung der Scharia Basis des gesellschaftlichen Miteinanders. Das gilt seit einiger Zeit auch für den Sudan, wo man diese Rechtssprechung sogar auf Ausländer ausweiten will. Da hätte die aus England stammende Lehrerin dann sicherlich nicht überlebt. In Sudan boomt die Wirtschaft. Spricht das für den Rückschritt in die Zeit weit vor unserer Zeitrechnung? Libyen ist eines der reichsten Länder der so genannten arabischen Welt, und wenn man es einmal besucht hat, dann steht man ganz unfassbar vor Ruinen und in einer Zeit, die man dort eher nicht vermutet hätte, ein ausgebeutetes Land von der eigenen Führung. Thailand, Singapur und demnächst Vietnam, alles totalitäre Systeme, und überall schreitet die Wirtschaft in großen Schritten voran. Spricht das gegen unsere Demokratie, gegen unsere Werte, gegen die Sinnhaftigkeit von Freiheit und Rechtssicherheit? Wir erleben unser Wirtschaftswachstum seit vielen Jahrzehnten - mal mehr, mal weniger. In unseren Ländern müssen nicht Jahrhunderte der verpassten Entwicklungen nachgeholt werden, was häufig einhergeht mit einer blühenden und sich schnell entwickelnden Wirtschaft. Aus unserer Freiheit sind zahllose Erfindungen hervorgegangen, aus unserer Rechtssicherheit die Kraft, voranzuschreiten, aus unserer Bildung die Möglichkeit, der Wahrheit nachzustreben, persönliche Sicherheit und Kraft zu erlangen, um anderen zu helfen, Sozialverhalten zu kultivieren und auch dann da zu sein, wenn Systeme wie Birma oder China aufgrund von Umweltdramen zu kollabieren drohen. Unsere Demokratie auf Basis zum einen der christlichen Wertvorstellungen, aber auch der Aufklärung und der Zurückdrängung der wörtlichen Religiosität ist und bleibt die beste denkbare und praktizierbare Regierungsform, für die wir tatsächlich mehr Einsatz zeigen sollten. |
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